„Die eine oder andere Träne verdrücken"

In der Rolle als Anna ist Jaël Malli bei „1476" erstmals auf einer Schweizer Theaterbühne zu sehen. Im Interview äussert sich die frühere Sängerin von Lunik über den Unterschied zur Theaterbühne, die Stimmung im Ensemble und über die emotionale Schlussszene.
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Jaël, Du gibst bei 1476 Dein Bühnendebüt. Wie fühlt es sich an als Schauspielerin?

Wunderbar! Ich habe grosse Freude an Anna und merke wie ich mit jeder Vorstellung mehr in sie hineinwachse.

Als Sängerin bist Du Dir gewohnt auf der Bühne zu stehen. Wo liegt der Unterschied zur Theaterbühne?

Der grösste Unterschied ist für mich der Fokus auf die Bühnenrealität oder -geschichte. Als Sängerin bin ich zwar auch voll im Lied drin, aber singe dies doch immer zum Publikum. Bei 1476 versetze ich mich ja primär in Annas Schicksal und konzentriere mich dann auf der Bühne vorallem auf meine Schauspielkollegen. Natürlich 'sendet' man auch irgendwie nach vorne zum Publikum, aber an manchen Tagen bin ich sosehr in der Rolle, dass ich beinahe vergesse, dass da jemand zuschaut und erschrecke wenn die plötzlich lachen oder so.

Du spielst zum einen neben professionellen Darstellern und zum anderen neben Statisten. Wie funktioniert die Zusammenarbeit? Wie ist die Stimmung im Ensemble?

Die Stimmung ist grossartig! Keiner macht die 'Diva' und niemand muss 'unten durch'. Ich fühle mich in die Familie aufgenommen. Es ist ein grosses Miteinander wie bei einem Orchester, indem vom Triangelspieler bis zur ersten Violine alle ihren wichtigen Teil zum Ganzen beitragen. Dies geht natürlich über die Schauspielabteilung hinaus. Auch Regie, Bühne, Kostüm, Ausstattung, Produktion, Musik, Licht, Ton, Maske ... alle leisten viel und Grossartiges!

In der Schlussszene singst Du das Lied "Zeit die Dir noch bleibt". Dabei schreitest Du über das Schachtfeld mit lauter Gefallenen. Wie nimmst Du diesen Moment wahr?

Es ist immer wieder ein sehr emotionaler Moment. Ich finde die Idee die Schlacht so zu inszenieren sehr treffend und besonders. Wir streichen die Sinnlosigkeit und das Drama einer solchen Schlacht heraus, dass es keinen Sieger gibt, nur Verlierer und Einzelschicksale... Wer dafür das Herz öffnet, kann fast nicht anders als die eine oder andere Träne zu verdrücken.

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